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Der "Airbag-Baustein" - lebenslanges BU-Konzept

Warum die BU allein noch nicht ausreicht - das lebenslange BU-Konzept

 

Heutzutage einen Vertrag zu bekommen, der das Risiko der Berufsunfähigkeit absichern kann, ist alles andere als einfach. Du als Kunde musst durch eine, teilweise anstrengende Risikoprüfung, welche nicht nur Vorerkrankungen mit berücksichtigt, sondern auch deine Freizeitrisiken. Wenn du es dann geschafft hast, einen Vertrag zu bekommen, z.B. in Form einer SBU = Selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung, die alle wichtigen Kriterien enthält, in richtiger Höhe und mit einem exzellenten Bedingungswerk ausgestattet ist, dann herzlichen Glückwunsch! Du hast dich um 50% deines Absicherungskonzeptes gekümmert!

 

"Was? Warum nur 50%? Ich habe doch eine BU die bis 67 leistet, warum sollte die denn nicht genügen?", fragst du dich jetzt sicherlich, oder?

 

Tatsächlich machen - meiner Erfahrung nach - fast alle Menschen den Fehler, in Produkten und nicht in Konzepten zu denken und sehen meist nicht das Gesamtbild. Denn zu einer guten BU gehört auch ein guter Airbag-Baustein!

 

Doch was ist eigentlich ein "Airbag-Baustein"? 

Auch, wenn das Thema gefühlt in weiter Ferne liegt, so gibt es da immer noch das Thema Altersvorsorge. Den Aufbau deiner Altersvorsorge, die du während der gesamten Zeitdauer deines Erwerbslebens aufbauen musst. Allein dazu gehört erst einmal das Verständnis für die Rentenlücke und eine Priese Disziplin.

 

Wirst du niemals berufsunfähig hast du Zeit und Geld, jeden Monat deine Spartöpfe zu befüllen, um dann bis zum 67. Lebensjahr genug aufgebaut zu haben, um sorgenfrei in Rente gehen zu können. Läuft alles glatt, hast du vielleicht noch eine kleine gesetzliche Rente, Riester, BAV, Lebens- /Rentenversicherungen, dein Depot, die fremdgenutzte Immobilie, die eigenen Immobilie ..und eben viele verschiedene Dinge, die zusammen ein Ganzes ergeben. Aber nur, wenn du gesund geblieben und alles rund gelaufen ist.

 

Wenn du jedoch berufsunfähig wirst, oder noch schlimmer, wenn du nicht erst mit 60 Jahren (das Gröbste geschafft) sondern schon z.B. mit 32 Jahren (hier hast du ja noch kaum Altersvorsorge aufgebaut) berufsunfähig wirst, haben wir ein Problem!

 

Ab dem Moment, in dem du berufsunfähig bist, erhältst du eine BU-Rente vom Versicherer, die hauptsächlich dazu dient, dein Leben aufrecht zu erhalten, die Miete oder den Immobilien-Kredit fortführen zu können, dir etwas zu Essen zu kaufen, das Auto zu bewirtschaften etc. Besonders viel für deine Altersvorsorge wirst du hier gar nicht mehr abzwacken können. Selbst die Gesetzliche Rentenversicherung bleibt dann auf dem  Niveau stehen, das du bis zum Eintritt deiner Berufsunfähigkeit erreicht hast. Das sind im Normalfall dann noch sehr wenige Rentenpunkte. Was passiert mit privaten Verträgen, Renten, deinem ETF-Depot, das du bis dahin fleißig gespart hast? In der Praxis nicht mehr allzu viel. Verträge liegen brach oder werden auch gerne in solchen Momenten gekündigt, weil sie nicht mehr bedient werden können.

 

Du hast also eine BU, und schlitterst dann mit 67 in die Altersarmmut! Es wird verschmerzbar sein, wenn du sehr spät BU wirst, aber unverzeihlich, wenn du früh BU wirst. Vielleicht kannst du schon erahnen, weshalb ein lebenslanges Konzept alle Lebensphasen mit einschließt?

 

Daher empfehle ich an dieser Stelle immer zu überlegen, ob man einfach an einen Altersvorsorgevertrag (den man früher oder später ja sowieso einmal begonnen hätte) einen sogenannten "Airbag-Baustein" mit integrieren möchte. Quasi einen Booster für deine Altersvorsorge.

 

Kurz erklärt: Ich wähle eine Rentenversicherung (z.B. mit ETF´s, natürlich als kostengünstige und fondsgebundene Variante) und spare monatlich 100 €. Hier kann ich für ein paar Euro zusätzlich eine Beitragsbefreiung bei BU und eine Dynamik von bis zu 10% im BU-Leistungsfall einbauen. Manche Gesellschaften nennen es "Airbag", andere "Silent Power". Mir ist es relativ egal, wie es genannt wird. Wichtig ist, was es macht. Nämlich deine Rente künstlich aufblasen, sodass deine Altersvorsorge hinten auch im Falle einer Berufsunfähigkeit in ausreichender Höhe zur Verfügung steht. Unabhängig vom Staat oder äußeren Rahmenbedingungen.

 

Hier die wichtigsten Fragen & Antworten zum Thema:

 

Was ist das genau?

Technisch gesehen nennen sich die Funktionen, die du benötigst, wie folgt (die z.B. an eine fondsgebundene Rentenversicherung die in der 3. Schicht angesiedelt ist, angeknüpft werden kann):

  • Beitragsbefreiung bei Berufsunfähigkeit
  • Dynamisierung (meist wählbar bis 10%) durch den Versicherer im Falle der Berufsunfähigkeit

Welche Gesellschaften bieten so etwas an?

Tatsächlich nur eine kleine Handvoll, da das Risiko für den Versicherer extrem groß ist. Nur wenige (große, stabile) Gesellschaften sind in der Lage das Produkt anzubieten. Manche bieten teilweise noch diese Funktionen mit Einschränkungen an.

 

Ich brauche ein Beispiel um mir das besser vorstellen zu können!

Sehr gerne: 

Nehmen wir einmal Sebastian als Beispiel. Er ist 30 Jahre und hat sein Studium der Elektrotechnik seit 2 Jahren beendet und arbeitet seitdem. In die gesetzliche Rentenversicherung zahlt er und sein Arbeitgeber seit 2 Jahren ein, gesetzliche Ansprüche auf eine Rente hat er allerdings noch nicht, da er noch nicht lange genug eingezahlt hat. Private Verträge fehlen im, einzig und allein ein Depot mit 25 € Sparrate (Depotstand: 1.800 €) stehen im derzeit zur Verfügung. Glücklicherweise hat er über einen unabhängigen Makler eine BU abgeschlossen, die seine monatlichen Ausgaben absichert und bis zum 67. Lebensjahr leistet. Soweit so gut..

 

Fall 1: Sebastian bleibt bis 67 gesund:

Sehen wir uns Sebastians Leben an: er erfreut sich bester Gesundheit und muss seine BU nie in Anspruch nehmen. Da er arbeitet und auch regelmäßig Gehaltssteigerungen mitnimmt, hat er neben seinen fixen und variablen Ausgaben immer noch Geld übrig. Im Laufe der Zeit baut er sich eine kleine Rentenversicherung (Sparrate 150 €), einen vollen Riester (Sparrate 160,42€), 2 fremdgenutzte Immobilien (2 x 100 € Zuzahlung/Sparrate) auf und erhöht die Sparrate seines Depots von 25 € auf 450 €. Zudem zahlt er ja nach wie vor in die gesetzliche Rentenversicherung ein, wo er zumindest weiß, dass die Rente sicher ist, nur nicht wie hoch sie dann einmal sein wird. Aber  ein bisschen was kommt noch zusammen. Mit Ende 30 hat er sogar die Chance mit seiner inzwischen Frau Luisa ein Haus zu erwerben, welches er sogar schafft, bis zum 62. Lebensjahr vollständig abzubezahlen. Nachdem es ihm und seiner Frau finanziell recht gut geht beschließen sie mit 65 in Rente zu gehen. Er lebt jetzt von vielen verschiedenen Töpfchen, die sein ganzes Erwerbsleben lang schön aufgebaut werden konnten. Darunter sind z.B. lebenslange Renten, aber auch Verträge, dessen angespartes Kapital er sich auch auf einmal ausbezahlen lassen kann. Also alles gut.

 

Fall 2: Sebastian wird mit 35 berufsunfähig (einen Airbag hat er leider nicht rechtzeitig abgeschlossen)

Die ersten 5 Jahre läuft alles normal. Bis Sebastian eines Tages aufwacht und ein seltsames Pfeifen in seinem Ohr wahr nimmt. Nach mehreren Monaten ist es ein lauter Pfeiffton auf beiden Ohren, der ihn fast in den Wahnsinn treibt und von dem die Ärzte sagen, es handle sich um Tinnitus. Sebastian schläft nicht mehr richtig, seine Leistungsfähigkeit lässt nach und er ist völlig erschöpft. Nach einem halben Jahr beantragt er die Leistung aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch promt und rückwirkend vom ersten Tag an bezahlt. Mit dem Geld kann er seine Miete weiter zahlen, die gemeinsamen Lebenshaltungskosten, die er mit seiner Frau hat, weiter bezahlen und ist soweit finanziell stabil. Da er jetzt nicht mehr arbeitet, stagniert auch die Zahlungen des Arbeitgebers und seine eigenen in die GRV und das Depot welches er schon auf 450 € monatliche Sparrate gestellt hatte, muss jetzt erstmal auf 25 € zurück gestellt werden. Ansonsten hatte er zwar vor noch weitere Verträge abzuschließen, aber das wird er jetzt auf keinen Fall mehr tun. Die 30 € die im Monat von der BU-Rente noch übrig bleiben reichen ihm jetzt nicht mehr weit und er hat jetzt auch bestimmt andere Sorgen, als sich um seine Altersvorsorge zu kümmern. Also "verkümmern" auch seine Zahlungen. Mit 67 endet abrupt die Zahlung seiner BU. Die Frage, wovon er jetzt lebt lässt sich so beantworten: vermutlich von einer Mini-Gesetzlichen Rente (Anwartschaften erfüllt, aber nur kurz eingezahlt) und seinem Depot, das bis dato aber sicher nur für ein halbes Jahr ausreichen wird. Das ist im übrigen die Altersarmut von der alle sprechen.

 

Fall 3: Sebastian wird mit 35 berufsunfähig (er hat einen Airbag abgeschlossen)

Wie in Fall 2 läuft in den ersten 5 Jahren alles prächtig und dann erwischt ihn ein Tinnitus, der dafür sorgt, dass er nicht mehr zur Hälfte das arbeiten kann, was er zuvor gemacht hat und lebt fortan (wir unterstellen ihm, dass er dauerhaft berufsunfähig bleibt) von seiner BU-Rente. Der Unterschied ist jetzt: Er hat gleich parallel mit seiner BU angefangen, seinen ersten Baustein für seine Altersvorsorge zu legen. Dabei wollte er nur 100 € Sparen und hat diesen Sparbaustein gleich mit den Airbag-Funktionen, abgeschlossen. Wir erinnern uns: Beitragsbefreiung + Dynamisierung 10% bei BU. Der Fall tritt also ein. Er beantragt nicht nur bei seinem BU Versicherer (Versicherer A: der Pfefferminzia) seine BU, sondern stellt den Antrag auch gleich bei seinem Airbag-Baustein (Versicherer B: der Rolgadinia). Versicherer B fängt nun an, seine 100 € jeden Monat für ihn weiter zu sparen. Sebastian wird von seiner Beitragszahlung befreit. Zudem schickt ihm die Rolgadinia Versicherung jedes Jahr Post, in dem sie ihm erklären, dass sie jetzt auf die Sparrate nochmal 10% oben drauf packen. Nach ein paar Jahren sieht er schon, dass das eine exponentielle Kurve sein wird. Die Versicherung übernimmt nicht nur die Sparrate, die er bereits hatte, sondern steigert bzw. dynamisiert diese. Sodass am Ende ein großer Geldberg angehäuft ist. Mit 67 geht er in Rente und hat zu seiner Mini-Gesetzlichen Rente jetzt einen erheblichen Betrag zur Verfügung, mit dem er seine Rentenphase sorglos bestreiten kann.

 

Gibt es Alternativen zum Airbag?

J(ein). Es gibt sie, aber nicht in vollem Umfang. Es gibt noch die Möglichkeit (ohne eine Verbindung zu einem Sparprozess) und auch mit einigen Einschränkungen in der Höhe und ohne Dynamik (daher kein echter Airbag) so ein Konstrukt auf bereits bestehende Sparverträge zu legen. Im Vergleich wäre diese Variante aber teurer, mit gleichzeitig schlechterer Leistung. Ob das eine Alternative für dich ist, kann also - wie immer - sowieso nur im persönlichen Gespräch heraus gearbeitet werden.

 

In welcher Höhe schließe ich einen Airbag-Baustein ab und was kostet mich der Baustein?

Die Faustformel lautet: zwischen 100 - 350 €, aber abhängig davon, wie viel Altersvorsorge du bereits hast und wie alt du bist. 

Faustformel für die Kosten des Airbags: ca. 10% von dem, was du monatliche sparst. Z.B. 100 € = 90 % Sparen, 10% Airbag-Kosten.

 

Ist mein Geld dann eigentlich "verloren"?

Nein, da du im Grunde 2 Themen in einem Vertrag vereinst. Du hast einen Sparbeitrag + einen kleinen Risikobeitrag, der die Kosten für den Airbag darstellt. Das, was du monatlich sparst, bleibt dein Geld, wird für dich angelegt und kann ganz normal von der Wertentwicklung am Markt profitieren. Die Kosten für den Airbag nimmt sich der Versicherer im Gegenzug dazu, dass er dir - verzeiht mir meine Wortwahl - den Arsch rettet und dir deine Altersvorsorge künstlich aufbaut, solltest du berufsunfähig werden. Manchen hilft es, die paar Euro zusätzlich einfach gedanklich ihrer SBU zuzuordnen. Der restliche Teil ist deine private Altersvorsorge.

 

Dann spare ich ja in eine Versicherung, oder? Geht das auch mit (m)einem ETF-Sparplan?

Nein. Deiner Depotbank oder deinem Online-Broker ist es gänzlich egal was mit dir und deinen monatlichen Sparraten wird, wenn du berufsunfähig bist. So etwas kann nur mit einem Versicherungsmantel mit vereinbart werden. Am Rechenbeispiel oben zeigt sich ja auch, dass das Sparen aus eigener Kraft nicht funktionieren wird, da das Risiko berufsunfähig zu werden, zu jeder Zeit besteht.

 

Welche Vorteile bietet dann der Versicherungsmantel?

  • du kannst eine Leistung mit einbauen, wie z.B. den Airbag, aber auf Wunsch auch noch andere Dinge
  • du hast die Möglichkeit einer lebenslangen Rente (das hast du beim Depot nicht, da ja irgendwann das Geld aufgebraucht ist).
  • Du kanns dafür Sorge tragen einen Versicherer mit einem guten garantierten Rentenfaktor auszuwählen
  • du kannst bei der Wahl eines hybriden Modells deine Beiträge schützen und Garantien mit einbauen (aktuell bis 90% Sicherheit, früher 100%) aber natürlich auch ein reines fondsgebundenes Modell ohne Garantien wählen.
  • Ertragsanteilbesteuerung in der 3. Schicht = bedeutet, der Staat ist gnädiger mit der späteren Besteuerung als in Schicht 1 oder 2.

Erwähnenswert ist noch, dass bei der Auswahl der Versicherungsgesellschaft Kriterien wie Stabilität und Finanzkraft natürlich mit berücksichtigt werden sollten. Du möchtest ja dass auch die Versicherung bis dahin durchhalten kann.

 

Wie beantrage ich einen Airbag-Baustein? Welche Hürden erwarten mich?

Die meisten Versicherer bieten die Bausteine mit einer regulären Gesundheitsprüfung an, die im Umfang den Fragen gleicht, die für die Beantragung der Berufsunfähigkeitsversicherung nötig sind. Es gibt aber auch Besonderheiten. Z.B. gibt es Tarife, bei denen nur vereinfachte Gesundheitsfragen verlangt werden, oder auch welche, die dir z.B. keine Fragen stellen, dafür aber eine Wartezeit verlangen. Das kann für diejenigen interessant sein, die z.B. so krank sind, dass sie bereits bei der Beantragung der BU Probleme hatten.

 

Abschließende Worte

Für den Moment ist mir nur wichtig, dass du weißt, dass man alle Phasen des Lebens betrachten sollte, um ein lebenslanges Konzept zur BU + gleichzeitig Altersvorsorge auf die Beine zu stellen! Mein Tipp für dich: Werde zeitnah aktiv, kümmere dich um alles Wichtige. Es gibt nur wenige Versicherungsthemen, die von elementarer Bedeutung sind. Andere sind Geschmackssache und von persönlichen Risikofaktoren abhängig. Versicherung & Absicherung sind letztlich dafür da, um dir den Rücken frei zu halten, sodass du mit deinem Vermögensaufbau beginnen kannst. Eine Rentenversicherung (auch, wenn sie nicht so sexy klingt) ist auch ein Teil deines Vermögensaufbaus. Würde ich heutzutage eine klassische Rentenversicherung empfehlen? Vermutlich nein. Würde ich eine hybride/fondsgebundene Rentenversicherung empfehlen, die sonst nichts weiter kann? Bedingt (siehe o.g. Vorteile). Würde ich eine hybride/fondsgebundene Rentenversicherung empfehlen, die dir den Arsch rettet, wenn du BU wirst: ja, ich denke schon. 

 

Wenn ich dich mit diesem Artikel einfach nur zum Nachdenken angeregt habe, freut mich das! Gehe gern in dich, durchlaufe einmal die Lebensphasen, die du dir prinzipiell für dich vorstellen kannst und überlege dir, ob bereits alles durchdacht ist. Falls du meine Hilfe benötigst, Fragen hast oder eine Beratung brauchst, jederzeit gerne.

 

deine Andrea

#Nerdfinanz